Die Geschichte vom Sein - Band 1 - Musterkapitel 3

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Shangri-La – das himmlische Leben

 

Ich hatte die ganze Zeit sehr aufmerksam zugehört. Auch wenn ich nicht gerne die fließenden und hochinteressanten Äußerungen von Herrn Jürgens unterbrach, so brannte eine Frage in meinem Geiste, die ich nun stellte: „Ich bin mir immer noch nicht ganz sicher, was ich aus ihren Aufzeichnungen als Realität und Gewissheit annehmen kann. Sollte es denn tatsächlich den Garten Eden und einen Weg für uns Menschen geben, der uns dahin zurückführt?“


Ja, diesen Weg gibt es tatsächlich!“ antwortete Herr Jürgens bestimmend, „wenn auch anders, als wir ihn uns vordergründig vorstellen. Es ist kein natürlicher Weg, der uns, wie wir es im realen Leben gewohnt sind, von einem Ausgangspunkt zu einem Ziel führt. - Nein! - diesen Weg können wir nur über unser Bewusstsein finden und gehen. Dazu ist zuvor eine Bewusstseinsveränderung erforderlich, die uns wieder zurückführt zum Anfang der Schöpfung - zurückführt zur Liebe. Die mangelnde Liebe ist der Grund, warum den meisten Menschen der Weg nach Eden bisher verborgen war.


Am Anfang der Schöpfung - mit Erschaffung des „Garten Eden“ - stand die göttliche Liebe im Mittelpunkt des Geschehens und war die Ursache für die ganzheitliche und vollkommene Schöpfung. Erst wir Menschen haben auf dieser Erde die Angst als weitere Emotion hinzugefügt, weil wir darüber das Gegenteil von „Gut“ - also das „Böse“ - erfahren wollten und konnten. „Liebe“ steht symbolisch für alles „Gute“ und „Angst“ steht symbolisch für alles „Böse“ in dieser Welt. Wenn wir Menschen also zum Ursprung der Schöpfung zurückkehren möchten, oder besser gesagt die Variante des „Garten Eden“ als neue Form der Erde und Menschheit erschaffen wollten, müssten wir nur zur Liebe zurückkehren und die Angst verlieren.

 

Unsere Denkensweise, unsere Empfindungen und unsere Gefühle müssten Ausdruck des Bewusstseins von „Diesseits von Eden“ werden. Begeben wir uns also in unserer Fantasie in den „Garten Eden“ und stellen ihn uns im „Diesseits“ vor - wie wunderbar er ist und welche Folgen und Auswirkungen er für unser persönliches Leben und dem Leben aller Mitmenschen und aller Lebewesen hätte.


- Wenn wir die Existenz von Gott (von Allem-was-ist) anerkennen, wenn wir erkennen und wissen, das alles-was-ist, Gott ist, und wir ein Teil des Göttlichen sind, dann sind wir „diesseits von Eden“.

 

- Wenn wir das Göttliche als höchsten Ausdruck des Seins in unserem Leben wählen, und damit die Liebe (das nobelste Gefühl), die Freude (der erhabenste Gedanke) und die Wahrheit (die klarsten Worte) Bestandteile unseres Lebens werden, dann sind wir „diesseits von Eden“.


- Wenn wir erkennen und wissen, dass wir alle eins sind – alle Menschen, alle Lebewesen und alle Lebensformen – und zusammen eine kollektive göttliche Seele (Gott) sind und unser Leben im Bewusstsein, dessen, danach ausrichten und leben, dann sind wir „diesseits von Eden“.


- Wenn wir erkennen und wissen, dass alle Menschen, alle Lebewesen und alle Lebensformen ein Teil von uns sind, und wir daher keinen Menschen, kein Lebewesen und keine Lebensformen missachten, quälen oder sogar töten können, dann sind wir „diesseits von Eden“.


- Wenn wir Liebe, Harmonie, Frieden, Freude, Akzeptanz, Mitgefühl, Geduld, Sanftmut und Dankbarkeit für uns, für alle Mitmenschen, für alle Lebewesen und alle Lebensformen empfinden, dann sind wir „diesseits von Eden“.


- Wenn wir wissen, dass auf diesem Planeten Erde für jeden genug vorhanden ist, und der Planet Erde mit all seinen Ressourcen uns allen gehört, und es für uns keinen Grund gibt, nach mehr besitzen, nach mehr Besitztum und nach mehr Macht zu streben, dann sind wir „diesseits von Eden“.


- Wenn wir unserem neuen Bewusstsein nach, den Garten Eden nicht nur als Mythologie abtun, sondern empfinden und wissen, dass es sich dabei um eine vorhandene und neu entdeckte Lebensvariante handelt und somit realer Bestandteil unseres Lebens sein könnte, dann wird daraus auch nach und nach der Garten Eden - und werden eines Tages „diesseits von Eden“ leben.

 

Der „Garten Eden“ ist also in Wirklichkeit nicht etwas, was wir erst erschaffen müssen, er war und ist immer gegenwärtig. Bevor wir jedoch in den Garten Eden gelangen, müssen wir zuvor ein Tor öffnen, das zurzeit noch für uns verschlossen ist. Nach diesem Schlüssel müssen wir aber nicht lange suchen, denn: „Der Schlüssel zum Garten Eden ist inwendig in uns“. - Das Geheimnis des Schlüssels, ist ein verändertes neues Bewusstsein, mit dem öffnet sich das Tor „jenseits von Eden“ und wir gelangen durch das Tor in den Garten Eden und sind von da an „diesseits von Eden“ - womit gleichzeitig eine Erneuerung der Menschheit und Erde verbunden ist.“


Herr Jürgens machte nun eine längere Pause, der ich entnahm, dass er mit seinen Aufzeichnungen über den Garten Eden am Ende sei. Ich ergriff nun das Wort und gab meinen Empfindungen und Gefühlen freien Lauf: „Ich kann es kaum glauben, was ich da so eben aus ihrem Munde erfahren habe. Welch fantastische Lebensform wir Menschen doch haben könnten, die zudem noch leicht zu erlangen wäre, wenn wir es nur wollten - es wäre ein wahrhaft himmlisches Leben!“


Herr Jürgens blickte auf, schaute mich an und bestätigte: „Genau das wäre es - ein himmlisches Leben! - Und mit diesem Begriff haben sie mir das Stichwort gegeben, um ihnen ein weiteres Erlebnis aus meinem Leben zu schildern. Ein Erleben, das unmittelbar in Verbindung mit meinen Ausführungen über den Garten Eden steht. Wenn ihr Aufnahmegerät startklar ist, dann werde ich ihnen nun darüber berichten.“

Auch wenn ich damit nicht gerechnet hatte - so stand mein Aufnahmegerät dennoch startklar neben mir. Ich stellte es auf den Tisch, schaltete es ein und gab Herrn Jürgens ein Zeichen. Was ich nun von Herrn Jürgens zu hören bekam, war im wahrsten Sinne ein fantastisches und himmlisches Erleben. Es war sein Erlebnis über ...


... Shangri La - das himmlische Leben

 

Nach meinem Erleben in New Mexiko war ich wieder ins Kloster von Suan Mokkh zurückgekehrt und lebte dort weiterhin ein gelöstes, zufriedenes und friedliches Leben. Eines Tages erfuhr ich von buddhistischen Mönchen aus dem Tibet, die das Kloster von Suan Mokkh besuchten, von einem sagenumworbenen Ort mit Namen „Shangri La“. Es sollte sich bei diesem Ort, der irgendwo im tiefen Tibet verborgen liegt, um einen wahrhaft mystischen Bereich handeln, der unseren Vorstellungen eines Paradieses entsprach.

 

Nachdem die Mönche das Kloster wieder verlassen hatten, sprach ich mit meinem Lehrer Herrn Nananda über das Gehörte und fragte ihn: „Was denken sie, Herr Nananda, ob es diesen Ort tatsächlich gibt?“

 

Ich spürte sofort, dass Herr Nananda bei dem Wort „Shangri La“ hellwach wurde - und mir nach einem kurzen Moment des Überlegens sehr überlegt und sachlich darauf antwortete: „Ja, Christoph - ich glaube den Ort gibt es! Ich habe von diesem Ort schon des Öfteren gehört, aber niemals einen Menschen gesprochen, der an diesem Ort schon einmal war oder diesen Ort gesehen hat. Meinem Verständnis nach, müssen wir dabei zwischen den realen Ort „Shangri La“ – den es wohl tatsächlich im Tibet geben wird – und dem himmlischen Ort „Shangri La“ unterscheiden. Ich denke, bei dem realen Ort „Shangri La“ handelt es sich um eine Pforte, über die man zum himmlischen Ort „Shangri La“ gelangt.“

 

Ganz so ruhig und sachlich konnte ich mit diesem Thema nicht umgehen – schon gar nicht, nach dem, was Herr Nananda soeben gesagt hatte - und fragte deshalb etwas aufgeregt nach: „Haben Sie mir mit ihren Ausführungen gesagt, dass sie der Meinung sind, dass es diesen Ort wirklich geben könnte?“

 

Herr Nananda schaute mich ruhig und besonnen an und erwiderte: „Auch wenn ich dort noch nicht war, so bin ich mir doch sicher, dass es den Ort „Shangri La“gibt – zumindest als realen Ort. Was dem himmlischen Ort „Shangri La“ betrifft, bedarf es einer Reise dorthin um es herauszufinden. Bevor ich aber darauf noch konkreter eingehe, möchte ich zuvor noch einmal auf meine Ausführungen bezüglich des realen und des himmlischen Ortes „Shangri La“ zu sprechen kommen. Das müssen wir uns so vorstellen: Alles in unserem Leben besteht aus Gegensätzen oder hat zwei Seiten, die unzertrennlich miteinander verbunden sind. Sie sind das Yin und das Yang unseres Lebens. So gibt es auch eine reale Welt (die Welt unseres Geistes und des Verstandes) und eine himmlische Welt (die Welt unserer Seele und der Gefühle). Obwohl es sich um zwei gegensätzliche Welten handelt, sind sie dennoch miteinander verbunden. Die große Masse der Menschen weiß von dieser Verbundenheit, weiß von dieser „Parallelwelt“ nichts, da sie nur in der einen realen Welt lebt. Möchten wir Menschen aus der realen Welt aber auch Zutritt zur himmlischen Welt haben, geht dies nur, wenn wir den Geist ausschalten und uns auf die Gefühlsebene begeben und uns unserer Seele anvertrauen – wir müssten also den Verstand verlieren, um in diese nicht „normale Welt“ zu gelangen.“

 

Ich gebe zu, Herr Nananda, dass auch ich bis heute zu der großen Menge Menschen gehörte“, bestätigte ich kleinlaut, „der von dieser Parallelwelt nichts wusste – oder sich nicht traute, daran zu glauben. Jetzt durch ihre einleuchtenden Erklärungen, vertraue ich meinem Gefühl und glaube, dass es diese Parallelwelt und somit auch den Ort des himmlischen „Shangri La“ gibt. Um aber Gewissheit zu erlangen, müsste man - so war doch soeben ihr Ansatz - eine Reise zum realen Ort „Shangri La“ unternehmen.“

 

Man konnte es Herrn Nananda ansehen, dass er von meinen Worten überrascht war und meinte deshalb: „Obwohl ich in dir immer schon einen besonderen Schüler gesehen habe, bin ich nun doch von der Festigkeit deiner Worte überrascht. Deinen Worten und Emotionen entnehme ich deutlich, dass du nun, wo du von diesem Ort erfahren hast, auch unbedingt herausfinden möchtest, ob es diesen Ort gibt. Da ich weis, dass du so empfindest, weil es zu deinem spirituellen Weg gehört, solltest du den Ort auch aufsuchen – und wenn du einverstanden bist, werde mit dir dorthin pilgern.“

Das war ein großer bewegender Moment in meinem Leben. Mein buddhistischer Lehrer, zu dem ich immer heraufschaute, gab mir die Zusicherung, mit mir nach „Shangri La“ zu pilgern. Und diese Zusicherung wurde zudem schon bald Realität. Herr Nananda teilte sein Vorhaben, mit mir nach Shangri La zu pilgern, allen anwesenden Mönchen mit und setzte für seine Abwesenheit einen älteren und ebenso erfahrenen Mönch als Stellvertreter ein.

 

Herr Nananda meinte im Bezug zu der bevorstehenden Pilgerreise, dass allein die Pilgerreise für mich schon eine neue Erfahrung werden würde. Da ich mich mit ihm als buddhistischer Mönch auf die Reise begebe, würde ich feststellen: Egal durch welches Land wir auch pilgern würden, in der es den Buddhismus gäbe - und das sind die meisten asiatischen Länder – würden wir als Mönche auch von den allgemein lebenden Menschen aufgenommen, geholfen und auf unserem Pilgerweg unterstützt. Alle Mönche, die als Nachfolger Buddhas unterwegs sind, werden immer mit großem Respekt und Hochachtung behandelt, denn sie dienen als Vorbild für den Menschen, da sie sich auf den rechten Weg befinden und den drei Grundsätzen folgen: Das Schädliche zu lassen, das Heilsame zu tun und den Geist zu reinigen. Mit diesem Hinweis wurde mir bewusst, dass ich mir im Hinblick des natürlichen Lebens - wie Nahrung und Unterkunft - während unserer Pilgerreise keine Sorgen machen musste.

 

So begaben Herr Nananda und ich uns schon sechs Tage später auf die Pilgerreise nach „Shangri La“. An dieser Stelle muss ich anmerken, dass die Pilgerreise an sich schon ein umfangreicher Erlebnisbericht für sich ist – auf den ich irgendwann später noch einmal im Bezug zu einem entsprechenden Thema zurückkomme. Da ich aber in diesem Erlebnisbericht hauptsächlich von den Erlebnissen in Shangri La berichten möchte, fasse ich mich diesbezüglich kurz: Unsere Reise begann mit dem Zug vom nahe liegenden Bahnhof in Chaiya, mit dem wir eine Teilstrecke in Richtung Norden von Thailand fuhren. Den weit größeren Teil der Pilgerstrecke legten wir teilweise mit dem Pkw, teilweise zu Fuß, teilweise erneut mit dem Zug, teilweise mit Pferd / oder Esel / und Wagen und den letzten Teil wieder zu Fuß zurück. Dazwischen fanden wir immer eine einfache Unterkunft zum Übernachten bei Menschen, die uns freundlich aufnahmen - oder schliefen einfach in der freien Natur.

 

Unsere Reise führte uns komplett durch Thailand, durch einen Teil von Burma nach China in die südwestliche Provinz „Yunnan“ - und hatten dabei eine Wegstrecke von 2600 - 2800 km hinter uns gebracht. Nach Aussage der Mönche und den allgemeinen Schilderungen, die Herr Nananda gehört hatte, sollte hier in dieser im Tibet liegenden Provinz der Ort „Shangri La“ zu finden sein. Nach fast einmonatiger Pilgerreise waren wir also unserem Zielort schon sehr nahe gekommen. Nun mussten wir nur noch den realen Ort „Shangri La“ finden.

 

Wenn uns jemand weiterhelfen könnte, dann würden das, die hier lebenden Mönche sein. Wir begaben uns also in ein Lamakloster, indem wir willkommen waren und ein Tag verbrachten, und fragten nach „Shangri La“. Die Mönche erklärten uns, dass es sich um den Begriff „Shangri La“ um eine in den Bergen versteckt liegende Region handeln würde, die man zu Fuß in Richtung Norden nach zwei Tagen erreicht.

 

Da Herrn Nananda und mir diese Auskunft nicht ganz reichte, fragte Herr Nananda nach: „Wir haben auch von einem himmlischen „Shangri La“ gehört und wüssten gerne, wie wir dorthin gelangen.“

 

Die Mönche schauten sich an und der oberste Lamapriester ergriff das Wort: „Wir haben auch schon davon gehört, sind aber noch nicht dort gewesen. Wenn ihr euch in die Region „Shangri La“ begebt, werdet ihr dort auch ein Lamakloster entdecken, das den Namen „Himmelspforte“ trägt. Von dort wird man euch sicher weiterhelfen.“

 

Wir begaben uns also nach einem Ruhetag weiter zu Fuß in Richtung Norden. Es war ein sehr mühsamer Weg und wir kamen nur langsam vorwärts. Nach einer Nacht im Freien, die sehr kühl war, gingen wir am anderen Morgen weiter und kamen am Nachmittag in eine Region, die „Shangri La“ sein musste. Es handelte sich um eine Region, die unserem natürlichen Verständnis nach wahrhaft „paradiesische Verhältnisse“ bot: Ein Hochland mit satten grünen Wiesen und wundervollen Seen, die von allen Seiten von dichten Urwäldern und schneebedeckten Bergen umgeben waren. In dieser Idylle des Friedens und der Harmonie bewegten sich friedlich Tiere und Vögel - und über allem schwebten weiße Wolken am Himmel und rundeten das Bild noch vollkommen ab. Selbst die Luft trug ihren Teil dazu bei und war paradiesisch mild und angenehm.

 

Wenn wir Menschen uns natürliche Paradiese vorstellen – wie z. B. schöne blaue Meere mit Strand und Palmen -, so würde diese Region als Alternative sicherlich auch dazugehören. Wie ich später erfuhr, konnte diese paradiesische Region „Shangri La“ dadurch entstehen, weil sich die Wetterbedingungen hier zwischen einem kühlen Hochlandklima und einem gemäßigteren, subtropischen Monsunklima bewegen.

 

Nachdem sich unsere Augen an diesem Anblick sattgesehen hatten, gingen wir weiter und durchwanderten diese Region. Nach einer Weile sahen wir auf einer Anhöhe ein kleines Kloster, bei dem es sich um das Lamakloster „Himmelspforte“ handeln könnte. Eine halbe Stunde später waren wir in dem Kloster angelangt und fragten einen Mönch, den wir zuerst begegneten, ob es sich tatsächlich bei dem Kloster mit dem Namen „Himmelspforte“ handeln würde - was er bejahte. Nachdem wir ihm kurz von unserer Pilgerreise nach „Schangri La“ schilderten und warum uns unsere Reise in dieses Kloster geführt hat, brachte er uns zum obersten Lamapriester des Klosters.

 

Nach einer herzlichen Begrüßung, ergriff Herr Nananda das Wort und berichtete dem Priester konkret unser Anlieger: „Wir sind nicht nur hierher gekommen um das „reale Shangri La“ zu erleben – wobei es sich schon um eine wahrhaft paradiesische Region handelt – sondern, wir möchten auch das „himmlische Shangri La“ erleben, und könnten uns vorstellen, dass sie und ihr Kloster uns dazu den Weg aufzeigen könnten, wie wir dorthin gelangen.“

 

Der Lamapriester, der sich uns mit Namen Li Shang vorstellte, machte keinen überraschten Eindruck und erwiderte: „Ja, mit ihrer Vermutung liegen sie schon richtig - denn nicht ohne Grund wird dieses Kloster „Himmelspforte“ genannt. Es stimmt, dass man von diesem Kloster aus in das „himmlische Shangri La“ gelangen kann. Und was meiner Person angeht, so kann ich ihnen auch den Weg dorthin zeigen - aber gehen müssen sie ihn selbst. Ob sie darüber aber tatsächlich in das „himmlische Shangri La“ gelangen, ist nicht gewiss. Das hängt ganz allein, von ihrer inneren Einstellung ab.“

 

Das die innere Einstellung der jeweiligen Person eine wichtige Voraussetzung ist, kann ich mir sehr gut vorstellen“, erwiderte Herr Nananda, „aber wie sieht konkret der weitere Weg aus, den wir begehen müssen?“

 

Herr Shang schaute ruhig und besonnen zuerst Herrn Nananda und dann mich an und sagte dann: „Wir haben hier im Kloster einen kleinen Meditationsraum, der sich als Ausgangspunkt des Weges als geeignet erwiesen hat. In diesem Raum findet man die nötige Stille und Abgesondertheit, um zu meditieren, denn den Zugang zum himmlischen Shangri La bekommt man nur über die Meditation. Aber, bevor man sich in diesen Raum begibt, um zu meditieren, muss die innere Einstellung vorhanden sein. Damit meine ich, dass entsprechende Tugenden als Bewusstsein vorhanden sein müssen. Zu diesen Tugenden gehören: das Bemühen um vollkommene Liebe, Reinheit, Wahrheit, Freude und Freiheit sowie dem Wissen des Einsseins mit allen Lebewesen und dem Entsagen des irdischen Begehrens. Tugenden, dir mir und so auch euch als buddhistische Mönche weitergehend bekannt sind und von uns auch gelebt werden. Und dennoch hat nicht jeder buddhistische Mönch, der hier im Kloster lebt oder der hierher gekommen ist, den Zugang zum himmlischen Shangri La bekommen. Nun wisst ihr den Weg - alles Weitere liegt an euch. Nachdem ich euch den Meditationsraum gezeigt habe, ihr also dann den Zugangsort kennt, könnt ihr hier im Kloster so lange verweilen, wie ihr möchtet, und erhaltet Unterkunft und Verpflegung.“

 

So zeigte uns Herr Shang den Meditationsraum und unsere Unterkunft und ließ uns dann allein. Womit er schon symbolisch ausdrückte, was er zuvor gesagt hatte: Ich habe euch den Weg gewiesen – gehen müsst ihr ihn nun allein. Ja - und das taten Herr Nananda und ich dann auch. Da der erste Tag im Kloster schon weit fortgeschritten war, nahmen wir noch ein einfaches Mahl mit den hier im Kloster lebenden Mönchen zu uns und gingen dann auch rechtzeitig schlafen. Auch den kommenden Tag begannen wir zuerst mit den Abläufen der hier lebenden Mönche inkl. des Frühstücks. Danach wandten wir uns aber unserem eigenem Weg zu und gingen erstmalig zusammen in den Meditationsraum, um dort durch Meditation unser Bewusstsein in einem Zustand zu bringen, der uns als Schlüssel die Pforte zum „himmlischen Shangri La“ öffnen würde.

 

Am ersten Tag gingen wir am Morgen und Nachmittag zum Meditieren in diesen Raum, ohne das sich etwas tat. Beide bekamen wir keinen Zugang. Auch der kommende Tag verlief ergebnislos - auch wenn wir während der Meditation tiefe bewegende Erlebnisse hatten, so bekamen wir aber nicht den Kontakt zum „himmlischen Shangri La“. Besonnen, ruhig, gelöst und ohne Begehren - das es zu einem Kontakt mit dem „himmlischen Shangri La“ kommen muss - beendeten wir auch den zweiten Tag.

 

Dann aber am Nachmittag des dritten Tages hatte ich ohne Erwartung folgendes Erleben: Mit einem besonderen Gefühl betrat ich schon an diesem Nachmittag den Meditationsraum und war auf einer magischen Weise schon vor der Meditation völlig gelöst und entspannt. Mit dieser Ausgangsempfindung setzte ich mich in meinen Meditationssitz und begann zu meditieren. Schon nach kurzer Zeit war ich der Realität entzogen und fühlte mich so frei, wie nie zuvor in meinem Leben. Schon dieser Zustand erweckte in mir ein himmlisches Gefühl, das ich nicht mehr verlieren wollte. Alles um mich herum war Licht, war Liebe und Friede. Ich fühlte, wie ich durch dieses Licht geführt wurde und dann plötzlich eine goldene Pforte vor mir sah. Ohne das ich etwas tun musste, öffnete sich diese Pforte - und ging langsam hindurch. Vor mir eröffnete sich eine Landschaft, wie ich sie zuvor in meinem Leben noch nicht gesehen hatte - so, dachte ich bei mir, habe ich mir immer das Paradies vorgestellt.

 

Ich sah weite grüne Wiesen mit herrlichen Blumen, durch die sich leise plätschernde Flüsse schlängelten und dann in einem weiten ruhigen Meer mündeten. Das Wasser des Meeres war kristallklar und hatte eine nie zuvor gesehene blaue Farbe. Zur anderen Seite gingen die Wiesen über in herrlich grüne Wälder, über die hinaus man schneebedeckte Berge sah. Der Himmel war klar und leuchtete in einem wunderbaren hellen Blau. Selbst die Sonne und deren Strahlen – die eine angenehme Wärme erzeugten - habe ich nie zuvor so intensiv erlebt. Während ich dies alles mit meinen Augen aufnahm, ging ich wunderbar freudig und gelöst auf einem einfachen Weg durch diese Landschaft. Weit vor mir sah ich einige einfache Holzhütten, auf denen ich zuging. Nach einer Weile, die ich ohne zeitliches Empfinden wahrgenommen hatte, stand ich vor eines dieser Häuser.

 

Ohne das ich mich bemerkbar gemacht hatte, öffnete sich die Tür und ein schlanker großer Mann, mit weißen langen Haaren, blauen Augen, heller Haut und besonders harmonischen Gesichtszügen, deren Alter man aber nicht einschätzen konnte - er sah einerseits schon älter aber auch gleichzeitig noch jugendlich aus - trat auf mich zu. Dieser Mann, der mit einfachen hellen Kleidern bekleidet war, lächelte mich ruhig und friedlich an und begrüßte mich mit den Worten: „Ich sehe, wir haben Besuch bekommen. Sei willkommen Christoph! - ich bin Joshua und habe dich schon erwartet.“

 

Ich war sehr überrascht über Joshuas Begrüßung und auch darüber, dass ich schon von ihm erwartet wurde - und so erwiderte ich: „Vielen Dank für deine freundliche Begrüßung, Joshua – aber wo bin ich denn hier?“

 

Christoph, du bist in einer Welt des höheren Seins“, lächelte mich Joshua an, „die als Parallelwelt neben eurer Welt existiert und die einige den „Himmel“, andere das „Paradies“ und wieder andere das „Nirvana“ nennen.“

 

Jetzt wusste ich es mit Sicherheit: Ich war im himmlischen Shangri La angekommen! Da ich mir dessen nun gewiss war, wollte ich von Joshua mehr über diese Welt erfahren und sagte ihm: „Joshua, da ich nun in der Welt bin, die ich einmal kennenlernen wollte, möchte ich darüber mehr von dir erfahren!“

 

Joshua nickte mir zu verständnisvoll zu, wies gleichzeitig mit einer Geste auf eine schöne Stelle der vor uns liegenden grünen Wiese hin und antwortete: „Ich weis Christoph! - lass uns hier Platz nehmen, dann werde ich dir mehr von dieser Welt berichten.“

 

Nachdem wir uns gesetzt hatten, begann Joshua mir von dieser Welt zu berichten: „Hier in dieser Welt des höheren Seins - im himmlischen Shangri La, wie du diesen Bereich nennst -, scheint das ganze Jahr die Sonne und es ist immer angenehm warm hier. So etwas wie lang anhaltenden Regen, Stürme, Kälte und Schnee - wie dies noch in der Welt der Fall ist, aus der du gekommen bist - gibt es hier nicht. Nachts bildet sich immer etwas Tau, aus dem die Pflanzen und kleinere Lebewesen genügend Flüssigkeit entnehmen können. Die Flüsse enthalten reines Quellwasser, das aus den umherliegenden Bergen kommt. Auf deren Gipfeln bildet sich genügend Feuchtigkeit für die Flüsse, aus denen wir Menschen und auch die Tiere ihr Trinkwasser entnehmen.

 

Alle Menschen und Tiere leben friedlich zusammen. Es gibt hier keine Gewalt und auch kein Töten. Hier ist jedem Lebewesen bewusst, dass niemand Töten muss, um zu überleben und niemand Töten muss um daraus Nahrung zu gewinnen. Deshalb sind auch alle Lebewesen hier Pflanzenesser. Da sich hier alle Lebewesen im Bewusstsein des Einsseins lieben, übt auch kein Lebewesen Macht auf ein anderes Lebewesen aus, fürchtet sich deshalb auch niemand vor den anderen und tötet auch folglich niemand den anderen.

 

Alles Leben entfaltet sich hier in völliger Freiheit und Uneingeschränktheit und basiert auf vollkommener Liebe, Freude und Wahrheit. Da für alle genügend und immerwährend vorhanden ist, muss hier niemand etwas tun, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Was die Menschen hier tun, geschieht aus ihrem schöpferischen Bewusstsein und der Freude daran. Es gibt hier keinen Erfolg und auch keinen Misserfolg, denn niemand trachtet danach besser zu sein als der andere – für deren Handlung es einfach keinen Grund gibt. Das was die Menschen hier zum Leben benötigen, ist im Überfluss vorhanden und muss nicht gekauft oder erworben werden – somit gibt es auch kein Zahlungsmittel. Abgesehen, dass hier niemand nach Besitztum oder Macht trachtet, besitzt auch niemand etwas. Da hier alle Menschen wissen, dass wir alle eins sind, gehört auch jedem alles, was vorhanden ist.

 

In dieser Welt leben alle Lebewesen ohne Sorgen und Ängste, da es in dieser Welt kein Grund dafür gibt, denn alles Leben basiert auf der Grundlage vollkommener Liebe. Tugenden, die in Verbindung mit dem Begriff „Böse“ stehen – die in der Welt, aus der du gekommen bist, Sorgen und Ängste bereiten und als Ungeduld, Missgunst, Missachtung, Hass, Neid, Eifersucht, Lügen, Betrügen, Besitztum, Macht, Aggression und die Bereitschaft zum Töten erlebt und gelebt werden -, existieren hier nicht mehr und wurden durch das „Gute“ aufgehoben. Und da hier jedes Lebewesen die Existenz des Göttlichen - was-alles-ist - anerkennt, gibt es auch kein Getrenntsein mehr zum Göttlichen. Alle Lebewesen erkennen und wissen, entsprechend ihrem höheren Bewusstsein, das sie Teil des Göttlichen sind, und wählen das Göttliche als höchsten Ausdruck ihres Seins.

 

Die Wesen, die du hier dem Äußeren nach als Menschen erkennst, sind göttliche Wesen, die aus dem irdischen Leben emporgestiegen sind und hier die Lebensform angenommen haben, von der sie in ihrem irdischen Leben schon wussten und sich selbst auch schon als göttlichen Teil des Ganzen erkannten. Wir leben hier im höheren Bewusstsein des göttlichen Einsseins: Gott in uns und wir in Gott. Unser Leben existiert hier im immerwährenden Sein, wo es auch keine Zeit und auch keine Gegensätze mehr gibt. Am Ende wird alles wieder, wie es am Anfang war und mündet in einem Kreislauf. Wobei es in Wirklichkeit kein Ende gibt, sondern immer nur einen Anfang – was der Spirale des ewigen Seins entspricht. Deshalb kann ich euch Menschen auch an dieser Stelle den Trost aussprechen: ihr kehrt alle wieder zu Gott und nach hier zurück, da ihr immer ein Teil von Gott seid und nie wirklich von ihm getrennt ward!“

 

Joshua machte eine Pause und ich dachte bei mir: Das, was ich da von ihm erfahren hatte, entsprach ungefähr den Vorstellungen, die ich mir über diese Welt gemacht hatte – obwohl einiges noch weit über meine Vorstellungen hinaus ging. Es war eine Welt, in der man gerne leben und auf ewig bleiben möchte.

 

Joshua hatte ganz offensichtlich meine Gedanken wahrgenommen, denn er bestätigte mir völlig überraschend: „Das wirst du, Christoph! – aber erst, nachdem du deine Erwählung auf Erden beendet hast.“

 

Du hast recht, Joshua!“ bestätigte ich. „Ich gehe wieder zurück mit diesen wunderbaren Eindrücken und der Zuversicht, dass dies meine Zukunft sein wird.“

 

Joshua machte eine Geste hinüber zu den weiteren Häusern und meinte im Bezug dazu: „Bevor du aber gehst, möchte dir noch ein paar weitere Bewohner dieser Welt vorstellen.“

 

Als wenn das ein Zeichen gewesen wäre, kamen plötzlich aus den einfachen Hütten und Gärten Männer, Frauen und Kinder zu uns herüber. Auch wenn sie dem Äußeren nach dem irdischen Menschen ähnelten, so konnte man es ihnen ansehen, dass es höher entwickeltere Wesen waren - die alle durch eine schlanke große Gestalt, leuchtende Augen und einem besonders harmonischen Gesicht auffielen. Ich schaute ihnen entgegen und sah ihre strahlenden Gesichter, aus denen auf wunderbarer weise Wahrheit, Freude, Harmonie und Friede ausgingen. Nachdem sich alle in einem großen Kreis zu uns in der Wiese gesetzt hatten, begann eine ruhige und entspannte Unterhaltung in einer Sprache, die alle sprachen und auch alle verstanden – so auch ich. Jeder erzählte mir etwas von seinem wunderbaren Leben hier im immerwährenden Sein. Es waren Unterhaltungen, die es in unserem irdischen Leben nicht gibt. Wenn einer etwas sagte oder erzählte, war damit kein Bedürfnis verbunden, sich zu profilieren oder sich hervorzutun. Und weil es kein höher oder geringer gab, wurde jedem Aufmerksamkeit entgegengebracht, hörte interessiert zu und ließ ihn ruhig und geduldig erzählen. Man unterhielt sich, um sich mitzuteilen und weil damit Freude und das Bewusstsein des Einsseins verbunden waren. Die Menschen lebten hier in einem kollektiven Bewusstsein zusammen, das nur wenigen irdischen Menschen bekannt ist. Ein Zusammensein, von dem man sich ungern trennt.

 

Da es hier keine Zeit gab, wusste man auch nicht, dass Zeit verging. Aber dennoch spürte ich dann irgendwann, dass für mich die Zeit gekommen war, wieder ins irdische Leben zurückzukehren. So verabschiedete ich mich von ihnen allen, mit dem Hinweis, dass wir uns schon bald wiedersehen würden.

 

Joshua stand mit mir auf und sagte: „Ich begleite dich noch ein Stück des Weges, Christoph.“

 

So machten wir uns auf dem Weg zu dem Tor, durch das ich diese Welt betreten hatte. Auf dem Rückweg dorthin genoss ich noch einmal mit meinen Augen und meinen Sinnen diese wunderbar friedliche Welt. Aber ich genoss auch die Ausstrahlung, die von Joshua ausging. Ich empfand eine tiefe Vertrautheit zu ihm, die ich bisher zu keinem Menschen kennengelernt hatte und die ich mir nicht erklären konnte. Während wir uns beim Gehen noch ruhig unterhielten, waren wir dann auch schon bald an dem goldenen Tor angelangt.

 

Joshua nahm mich in seine Arme und sagte mit ruhigen Worten: „Christoph, wir werden uns schon bald wiedersehen. Damit meine ich nicht hier, das selbstverständlich auch, sondern zuvor schon in deinem irdischen Leben. Uns beide verbindet eine besondere Erwählung, die in deinem irdischen Leben eine bedeutende Rolle spielt.“

 

Ich schaute Joshua an und versuchte herauszufinden, was Joshua damit gemeint haben könnte. Dann verspürte ich ein Empfinden, gleich einer Erinnerung, dass mir vermittelte, wer Joshua war und fragte: „Joshua - bist du ... oder warst du, der ... der im irdischen Leben einmal als Jesus lehrte und wirkte?“

 

Ja, Christoph“, antwortete Joshua, „ich war im irdischen Leben, der, den ihr Menschen als Jesus kennt - und dieser Jesus, ist auch Teil deiner Seele. Uns beide verbindet also etwas, das über das irdische Leben hinausgeht. Über dich lebt mein Bewusstsein und meine Lehre im irdischen Leben weiter. Du bist über deine und meine Erwählung ein Auserwählter, der den Menschen die Wahrheit über das göttliche Leben verkündet, die Menschen aus der Dunkelheit ins Licht und damit zu ihrem wahren Selbst führt. Also gehe zurück ins irdische Leben und wisse, ich bin bei dir bis an das Ende deines Lebens. Wir sind unzertrennlich und auf ewig zusammen.“

 

Während ich die letzten Worte von Joshua vernahm, verspürte ich eine ziehende Kraft, die von der anderen Seite des Tores kam. Ich trat durch das Tor und schaute mich noch einmal nach Joshua um, der mehr und mehr vor meinen Augen verschwand. Nun war auch das Tor nicht mehr zu sehen und ich befand mich inmitten des Lichtes, das ich zuvor, bevor ich das Tor betreten hatte, schon wahrgenommen hatte. Aber auch dieses wunderbare Licht, das vollkommene Liebe und vollkommenen Frieden in einem verspüren ließ, ging weiter zurück – oder ging ich weiter zurück? Indem das Licht vor meinen Augen zunehmend dunkler wurde, kehrte ich aus der Meditation zurück. Ich spürte den Boden unter mir und wusste, dass ich in der realen irdischen Welt wieder zurückgekehrt war.

 

Langsam machte ich meine Augen auf, schaute mich um und entdeckte Herrn Nananda - der mich ruhig von seinem Sitzplatz anschaute und feststellend sagte: „Willkommen zurück, Christoph! – willkommen im irdischen Shangri La. Ich dachte schon, du kehrst nicht mehr zurück. Da ich mir schon zeitweilig Sorgen machte, hatte ich auch mit Herrn Shang gesprochen, was wir tun könnten oder tun sollten. Obwohl er sich nicht an eine vergleichbare Situation erinnern konnte, war er der Meinung, dass wir dich in deiner Meditation verharren lassen sollten - womit du wohl Zugang zum himmlischen Shangri La bekommen hattest.“

 

Herr Nananda machte eine kleine Pause, schaute mich erwartungsvoll an und stellte dann die Frage: „Und Christoph, warst du ... warst du im himmlischen Shangri La?“

 

Während Herr Nananda die Frage an mich stellte, betrat auch der Lamapriester Shang den Raum und blickte mich ebenso fragend an. Indem ich abwechselnd Herrn Shang und Herrn Nananda anblickte, bestätigte ich mit ruhiger und sanfter Stimme: „Ja - ich war im himmlischen Shangri La! – und es ist fürwahr ein himmlischer Ort. Es ist der Ort des vollkommenen Seins - zu dem jede Seele wieder zurückkehren wird, nachdem sie ihre Erfahrungen über dessen was-sie-ist machen durfte.“

 

Herr Shang und Herr Nananda schauten sich an und wie aus einem Munde sagten sie bestätigend: „Er ist ein Auserwählter! - Und Herr Nananda fügte noch hinzu: „Ja, Christoph - du bist ein Auserwählter!“

 

Ihr habt recht! - denn das habe ich dort im himmlischen Shangri La auch erfahren“, bestätigte ich ihre Aussage und erzählte ihnen, was ich im himmlischen Shangri La erlebt hatte, wie diese Welt aussieht und wir dort das Leben ist.

 

Von diesem Moment an gingen Herr Shang und Herr Nananda vollkommen anders mit mir um – was mir nicht recht war. Egal, welche Aufgabe ich mir für dieses Leben erwählt hatte, es gibt in Gottes Werk keine Unterschiede in Form einer Hierarchie zwischen den Menschen. Dies war schon zu der Zeit meine feste Überzeugung, was ich auch beiden voller Demut bezeugte.

 

Genau diese Einstellung“, bestätigte Herr Nananda, „macht einen wahren Meister aus und wird jeder Meister, der über diese Erde gegangen ist, als Tugend besessen haben.“

 

Herr Nananda und ich blieben noch einen Tag im Kloster und machten uns dann wieder auf die Reise zurück ins Kloster nach Suan Mokkh, wo wir dann auch nach einer langen Rückreise von fast einem Monat ankamen. Herr Nananda berichtete den anwesenden Mönchen von dem Erleben in Shangri La und der damit für ihn feststehenden Auserwählung meiner Person als einen Boten Gottes auf Erden.

 

Von nun an bekam ich in dem Kloster die Stelle eines Lehrers zugewiesen, der den anwesenden Mönchen, neuen Zugängen und Gästen die Lehre Buddhas in Verbindung mit der allumfassenden Lehre Gottes lehrte. Ich hatte meine Aufgabe in diesem Leben gefunden und fand in dem Kloster in Verbindung mit den Mönchen und Herrn Nananda – die für mich meine Brüder waren - ein neues Zuhause.

 

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